Gründerwissen:
Gründen neben dem Studium – aber in welcher Rechtsform?

Oft findet sich die bahnbrechende Idee nach ein paar Bier am WG-Tisch, und schon einige erfolgreiche Unternehmen wurden bereits während des Studiums gegründet. Nur, wenn die Idee immer konkreter wird, und auf einmal eine Rechtsform gewählt werden muss, stellt das oftmals eine Hürde dar. Um euch diese Hürde zu nehmen, stellen wir euch im folgenden Beitrag mehrere Rechtsformen vor, die speziell für das Gründen während des Studiums in Frage kommen und geben euch Einblick in die damit verbundenen Rechte und Pflichten. 

 

Letzte Aktualisierung: 07.08.2020

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Einzelunternehmen und Personengesellschaften

Sie eignen sich zum Einstieg, da kein Mindestkapital und keine Mindesteinlage vorgeschrieben ist. Jedoch findet bei Einzelunternehmen wie auch Personengesellschaften eine unbeschränkte Haftung mit Geschäfts- und Privatvermögen statt (ausgenommen hiervon ist nur die Sonderform der Kommanditgesellschaft).

Einzelunternehmen

GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts

  • Entsteht automatisch bei Geschäftseröffnung
  • Keine Mindestkapital und keine Mindesteinlage vorgeschrieben
  • Unbeschränkte Haftung mit Geschäfts- und Privatvermögen
  • Entscheidungsbefugnis allein beim Inhaber
  • Zusammenschluss mehrerer Einzelunternehmer
  • Entsteht bereits bei einer „zielgerichteten gemeinsamen Handlung“ automatisch!
  • Formfrei, schriftlicher Gesellschaftsvertrag nicht zwingend erforderlich, aber sehr zu empfehlen
  • Gesellschaft und Gesellschafter haften (auch mit Privatvermögen) für Gesellschaftsschulden im Gesamten!  (Achtung, dies bedeutet, dass ihr unter Umständen mit eurem gesamten Privatvermögen haftet, auch wenn euer Mitgesellschafter die Verschuldung zu verantworten hat!)
  • Gemeinsame Geschäftsführung und Vertretung durch alle Gesellschafter, sofern im Gesellschaftsvertrag nicht anders geregelt
  • Besteht aus mindestens zwei natürlichen oder juristischen Personen oder Personengesellschaften

Für die GbR wie auch das Einzelunternehmen fallt ihr bei einer Unternehmensgründung neben dem Studium sehr wahrscheinlich am Anfang unter die Kleingewerbe-Regelung (Achtung nicht verwechseln mit der Kleinunternehmer-Regelung, die gleich erklärt wird). 

Diese gilt bei einem Jahresumsatz unter 600.000 € bzw. unter 60.000 € Gewinn. Das bedeutet für euch, dass ihr kein Handelsgewerbe anmelden müsst (also keine Eintragung im Handelsregister) und somit keine doppelte Buchführung. Auch eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung am Jahresende bleibt euch erspart, stattdessen reicht eine einfache Einnahmenüberschussrechnung(die sogenannte EÜR) am Jahresende.

Sofern ihr im laufenden Kalenderjahr nicht mehr als voraussichtlich 50.000 € und im vorangegangenen Jahr nicht mehr als 22.000 € Gesamtumsatz gemacht habt, könnt ihr zusätzlich von der Kleinunternehmer-Regelung Gebrauch machen. 

Durch diese Regelung braucht ihr keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen. Ihr müsst also auch keine monatliche Umsatzsteuervoranmeldung machen, die sonst zu Beginn verpflichtend ist. Macht ihr von dieser Regelung Gebrauch müsst ihr keine Umsatzsteuer abführen, dürft diese dann aber auch nicht auf der Rechnung ausweisen. Weiterhin könnt  ihr euch, bei Gebrauch der Regel, die Vorsteuer, die ihr bei Investitionen zahlt (Computer, Büroeinrichtung etc.), nicht zurückholen!

Ob ihr von dieser Regelung also wirklich gebrauch machen möchtet, solltet ihr euch gut überlegen. Durch Softwareanbieter, wie beispielsweise lexoffice ist die monatliche Vorsteueranmeldung schnell und einfach erledigt. Weiter Informationen zu der Regelung findet ihr beispielsweise auf der Seite des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Die Einnahmen eines Einzelunternehmens oder einer GbR fallen ganz simpel unter die Einkommenssteuer. Sobald ihr die Grenze von 24.500€ Gewerbeertrag überschreitet, wird zusätzlich alles, was darüber liegt mit der Gewerbesteuer versteuert. Dies wird jedoch für die wenigsten frischen Gründer von Belangen sein. (Falls doch, Glückwunsch! Weitere Infos findet ihr beispielsweise unter fuer-gruender.de).

Freiberufler

PartG – Partnergesellschaft

  • Besondere Möglichkeit zur selbstständigen Ausübung eines Berufs
  • Nur für bestimmte Tätigkeiten möglich, diese sind geregelt unter § 18 EStG (am klarsten sind die sogenannten Katalogberufe wie Ärzte, Rechtsanwälte oder Ingenieure. Weitere Informationen gibt es bspw. beim BMWi)
  • Freiberufliche Tätigkeiten sind keine Gewerbe und unterliegen daher weder der Gewerbeordnung noch der Gewerbesteuer
  • Unbeschränkte Haftung mit Geschäfts- und Privatvermögen
  • Seit 1994 neben der GbR die Möglichkeit einer Partnergesellschaft für Freiberufler
  • Die PartG haftet für gemeinschaftliche Aktivitäten mit dem Geschäftsvermögen und Privatvermögen der Gesellschafter
  • Haftung für Fehler im Rahmen der Berufsausübung ist auf den Verursacher beschränkt
  • Eintragung ins Partnerschaftsregister
  • Sonderform der PartGmbH (Partnergesellschaft mit beschränkter Haftung) möglich

Für einige Berufe besteht die Möglichkeit der Ausübung als Freiberufler! Dies hat vor allem den Vorteil, dass keine Unternehmenssteuer gezahlt werden muss. Mehr Informationen findet ihr zum Beispiel im Existenzgründungsportal des BMWi.

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Kapitalgesellschaften

Sie erfordern im Gegensatz zu Personengesellschaften ein Mindestkapital. Statt mit dem privaten Vermögen zu haften bilden Kapitalgesellschaften eigene Körperschaften und somit juristische Personen. Eine Haftung ist somit bis auf wenige Sonderfälle nur in Höhe des Kapitals der Gesellschaft möglich. 

GmbH – Gesellschaft mit beschränkter Haftung

UG – Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)

  • Mindeststammkapital 25.000€ (Mindesteinzahlung bei Gründung sind 12.500€)
  • „Ein-Personen-GmbH“ ist möglich
  • Haftung nur mit Gesellschaftsvermögen (Haftungsbeschränkung tritt jedoch erst nach Eintragung in das Handelsregister ein)
  • In gesonderten Fällen (z.B. durch grob fahrlässiges Handeln oder durch Insolvenzverschleppung) ist auch die Geschäftsführung haftbar
  • Die Organe der GmbH sind die Geschäftsführung (die Entscheidungsbefugnisse trägt) und als oberstes Organ die Gesellschafterversammlung. Ein Aufsichtsrat kann bestimmt werden und die Ernennung von Prokuristen ist möglich.
  • Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ist zwingend erforderlich. Der Mindestinhalt ist gesetzlich geregelt und eine notarielle Beurkundung erforderlich.

Sie ist eine Sonderform der GmbH; Regelungen identisch mit Ausnahme von:

  • Mindestkapital 1€
  • 25% des jährlichen Gewinns müssen in Stammkapital gewandelt werden bis 25.000€ erreicht.
  • Bei „Umwandlung“ in eine GmbH muss die Bilanz der UG durch einen Wirtschaftsprüfer überprüft werden (dies verursacht nicht zu vernachlässigende Kosten! So kann es ggf. besser sein direkt eine GmbH zu gründen)
  • Bei Wandlung der UG in eine GmbH bleibt die Körperschaft die gleiche. (Verträge bleiben somit unberührt)

Bei Kapitalgesellschaften muss die Unternehmenssteuer bereits ab dem 1. Euro gezahlt werden, eine Freigrenze wie bei der GbR gibt es nicht. Weiterhin muss beachtet werden, dass bei der UG(haftungsbeschränkt) wie auch bei der GmbH die Pflicht der doppelten Buchführung besteht. 

In der Praxis bedeutet das, dass mit der Gründung einer Kapitalgesellschaft laufende finanzielle Verpflichtungen eingegangen werden, die im Regelfall im vierstelligen Bereich pro Jahr liegen. Auch die Auflösung einer Kapitalgesellschaft kostet Geld und braucht Zeit. Die Gründung einer Kapitalgesellschaft kommt also mit deutlich mehr Verpflichtungen als ein einfaches Einzelunternehmen. 

Die Kosten für die Gründung einer GmbH oder UG(haftungsbeschränkt) setzten sich vorwiegend aus Notar- und Anwaltskosten zusammen. Je nach Anzahl der Gesellschafter und Komplexität des Gesellschaftsvertrags steigen hier die Kosten. Die einfachste mögliche Gründung einer UG(haftungsbeschränkt) mit einem Geschäftsführer und der Verwendung des sogenannten Musterprotokolls zur Gründung, ist bereits für weniger als 400€ möglich. Jegliche Abweichungen von den Standards erfordern jedoch Änderungen und verursachen somit Kosten.

In dem meisten Fällen ist es jedoch dringend ratsam individuelle Verträge zu formulieren bei der Gründung einer UG (haftungsbeschränkt), wie auch bei der Gründung einer GmbH.

Du hast Anmerkungen oder weitere Tipps zum Thema? Wir freuen uns, wenn du dich bei uns meldest: Moritz.Theis@hs-karlsruhe.de

 

Bericht: Moritz Theis