5 Fehler die ich bei meinem ersten StartUp gemacht habe – Rostyslav Kosyura

Gründer der Personalvermittlung für internationale IT Spezialisten “IT-Experta” und “Tarilka.org”, der ersten Tafel in der Ukraine, Rostyslav Kosyura, berichtet von 5 Fehlern die er nicht noch einmal machen wird! 

 

Fehler 1: Gründe nicht mit deinen besten Freunden!

 

Und wenn doch, dann regle die geschäftlichen Beziehungen sofort vertraglich! Wir haben den Fehler gemacht, dass wir, als wir die Firma beim Notar angemeldet haben einen Standard Gesellschaftsvertrag nutzten. Der Notar hat noch gesagt “Jungs, ich bin 15, 20 Jahre im Business. Ich habe oft Freunde die gemeinsam gründen, das ist noch nie gut gegangen. Macht einen individuellen Gesellschaftsvertrag und regelt was zum Beispiel passiert wenn einer von euch aussteigen möchte.”

Was ist bei uns passiert? Nach zwei Jahren wollte mein bester Freund und damaliger Geschäftspartner aussteigen und wir haben damit unsere Freundschaft, wie sie bis dahin war, zerstört. Wir konnten uns nicht einigen und jetzt sprechen wir nicht einmal mehr miteinander. Macht nicht den gleichen Fehler!

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Photo by Rijan Hamidovic from Pexels

Fehler 2: Die Idee ist wichtig… aber das Team ist wichtiger!

 

Wie soll ich das formulieren? Deine Geschäftsidee ist wichtig, aber dein Team definitiv noch wichtiger! Meine Geschäftsidee mit IT-Experta war grundsolide: Personalvermittlung von IT-Experten aus der ganzen Welt, Recruiting Team sitzt in der Ukraine, die Fixkosten sind sehr gering, die Bezahlung pro Vermittlung sehr hoch.

Die Nachfrage in Deutschland ist viel zu groß um durch den eigenen Nachwuchs deckt zu werden und die nächsten Jahre wird dieses Problem nur noch größer..  Wir wussten was wir machen, hatten Erfahrung und wir wussten dass es funktioniert! Also haben wir gegründet mit 16 000€ Stammkapital, relativ viel für unser Vorhaben, mehr als einen Internetzugang, Skype und ein paar Telefonen brauchten wir eigentlich nicht.

Also haben wir uns ein Team von Recruitern aufgebaut und den Fehler gemacht den ich nie wieder machen würde. Wir haben uns Leute geholt die keine Erfahrung hatten, Studenten oder frische Absolventen. Denen mussten wir alles beibringen, also waren mein Geschäftspartner und ich eigentlich nur noch mit Coaching und Kontrolle beschäftigt. Dazu stellten wir fest, dass der beste Recruiter mein Geschäftspartner war und ich der beste Sales Manager, dass wir beide sozusagen in Wahrheit alleine an den Projekten arbeiteten und wir machten das ja kostenlos, sozusagen.

Die Recruiter die wir eingestellt haben, haben sehr lange gebraucht, um sich einzuarbeiten, haben unglaublich viele Fehler gemacht und haben auch noch Geld gekostet. Was würde ich heute machen? Das Team von der anderen Seite aufbauen, von Oben. Statt drei unerfahrenen Mitarbeitern lieber einen einstellen der wirklich Ahnung hat, bestenfalls mehr Ahnung als du! Jemand der dich weiterbringt und dem Geschäft hilft und erst danach anfangen, das Team zu vergrößern.

 

Fehler 3: Ich habe alles gemacht, nur nicht das was ich sollte..

 

Der dritte Fehler knüpft ein wenig am zweiten Fehler an. Ganz ehrlich? Ich habe alles gemacht, nur nicht das, was ich sollte. Ich war und bin immernoch Gesellschafter und Geschäftsführer, das heißt ich muss schauen das Alles läuft und mich auch um Dinge wie die Buchhaltung kümmern..

Und was ich habe ich dann tagtäglich gemacht? Ich habe Teller gespült oder mich um die Kaffeemaschine gekümmert. Ohne zu übertreiben habe ich wahrscheinlich 90 Prozent meiner Zeit irgendeinen Mist gemacht und maximal 10 Prozent der Zeit das, was ich sollte.

An eine Situation kann ich mich noch genau erinnern:
Intern haben einige gesagt “Als wir uns beworben haben, haben wir gesehen, dass wir ja gar kein Instagram und Facebook haben, das müssen wir ändern!” Also hab ich angefangen einen Instagram- und Facebookaccount zu machen, weil “wir ja attraktiv für potentielle interne Bewerber sein müssen”. Bis ich begriffen habe: Was mach ich da eigentlich? Das Ganze hat nichts mit dem zu tun was ich eigentlich machen sollte! Und in dem Moment habe ich begriffen:”Cut the bullshit!”. Seitdem ist das mein Motto und ich überprüfe jeden Tag meine Aktivität, ob es nicht Bullshit ist und ob es wirklich gerade notwendig ist und mein Geschäft voran bringt. Und das klappt!

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In der Mitte Rostylav, mit seinem Team bei Tarilka.org, der ersten Tafel der Ukraine

Fehler 4: Plane nicht zu weit in die Zukunft..

 

Wir haben ganz viel nach vorne gedacht.. Nicht nur morgen, zwei Wochen oder nächsten Monat. Bei uns ging es um nächstes Jahr “..dann gehen wir nach Lissabon” oder “Was passiert eigentlich, wenn wir die Grenze von 100 000€ Umsatz pro Monat übersteigen? Bekommen wir Steuernachlass wenn wir den Firmensitz verschieben?”. Lauter solche Themen, meistens sogar in der Arbeitszeit. Wir habe uns nicht auf das hier und jetzt fokussiert. Jetzt planen wir nur noch in Baby-Steps. Das heißt, zwei Wochen voraus, maximal 2 Monate. Das ist für die Größe der Firma in Ordnung. Wenn wir größer werden, können wir anfangen strategischer, vorausschauender zu planen.


Fehler 5: Du bist kein Großkonzern und kein erfahrenes Unternehmen!

 

Als ich gegründet habe kam ich frisch aus einer Festanstellung bei einem der größten Personalvermittler der Welt. Die haben mehrere Milliarden Euro Umsatz und tausende Mitarbeiter. Ich bin zwar aus dem Konzern ausgestiegen aber nicht wirklich aus der “Konzerndenke” herausgekommen. Wir haben versucht unser Startup wie ein Konzern zu organisieren, mit allem Drum und Dran. Das hat natürlich nicht funktioniert. Wenn du frisch gründest, bist du kein Konzern und das spiegelt sich auch in deinen Prozessen und deinem Angebot wieder. Nutze das was dich auszeichnet und nicht was du nicht erreichen kannst… Das ist Flexibilität, Dynamik vielleicht auch die Preispolitik! Darauf sollte man sich konzentrieren und nicht versuchen sich dazustellen, wie ein gestandenes Unternehmen. Heute arbeite ich erfolgreich mit wirklich großen deutschen Unternehmen zusammen und die wissen das ich kein großer Konzern bin, aber das haben sie auch nicht gesucht! Die wissen wer ich bin, was ich kann aber auch wo meine Grenzen sind und genau sowas haben die gesucht! 

 

Bericht: Rostyslav Kosyura