3 Jahre G-Lab - Ein Interview mit Carsten Hahn über Ziele, Motivation und Mut in der Forschung

Im Folgenden Beitrag erfährst du, im Interview mit dem Leiter und Initiator des G-Labs Carsten Hahn, so einiges über die Entstehung und Motivation des Forschungsprojekts. Ob du nun Student, Unternehmer oder Mitarbeiter einer Forschungseinrichtung bist, es ist für jeden etwas dabei! Viel Spaß beim Lesen.

Wie zu erwarten die erste Frage: “Wie kam es zum G-Lab? Wie bekommt man die Idee eine solche Unternehmung zu starten? Kam die Idee von dir Carsten?

Carsten: Also die Idee kam eigentlich schon als ich vor fünfeinhalb Jahren, als ich mit meiner Professur, ausgerichtet auf Innovation und Entrepreneurship, angefangen habe. Diese habe ich angetreten weil ich merkte, ich habe Erfahrung, insbesondere durch meine Tätigkeit bei der SAP, und die möchte ich den Studierenden weitergeben. 

Gleichzeitig war das Thema Gründung und Entrepreneurship an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft weder in unserer Fakultät (Wirtschaftswissenschaften) noch in anderen Teilen der Hochschule vertreten. Also es gab keine Aktivitäten ganz zu schweigen von Lehraktivitäten in dieser Richtung.

Damals hat mich der (damalige) Prorektor Markus Stöckner auf eine Ausschreibung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst unter Ministerin Theresia Bauer aufmerksam gemacht. Die Ausschreibung namens GuStL (“Gründungskultur in Studium und Lehre”) verfolgte das Ziel Projekte zu fördern, welche die Gründungslust an Hochschulen in Baden-Württemberg stärken. Dafür wurden Drittmittel zur Verfügung gestellt, um die man sich als Hochschule bewerben konnte.

Diese Bewerbung formulierte die initiale Idee des G-Labs. Diese kam gut an und nach der Bewilligung der Fördermittel konnten die Gründungsmitglieder Roman Kerres, Katharina Schmidt und Lisa Hauenstein eingestellt werden. Gemeinsam haben wir dann angefangen das G-Lab aufzubauen.

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Abbildung 1: Prof. Dr. Carsten Hahn - Leiter des G-Lab (Foto: G-Lab)

Hattest du bei der initialen Idee bereits ein Vorbild? Oder woher kam dieser Gedanke?

 

Carsten: Also der Name G-Lab ist abgeleitet vom Entrepreneurship Lab (E-Lab) unseres Vorbilds dem MIT (Massachusetts Institute of Technology), an dem ich auch einen Lehrauftrag habe, durch welchen ich das Martin Trust Center of Entrepreneurship kennenlernen durfte. 

 

Daher kannte ich auch schon einen neuen Ansatz des Lernens, des sogenannten Action Learnings, wie wir ihn nun auch im G-Lab anwenden. Und genau das haben wir auch in den Antrag eingebracht, wir haben gesagt: “Wenn wir die Gründerlust steigern wollen dann machen wir das mit einem neuen Lehrkonzept.”

 

Wir haben uns ganz bewusst als Forschungsprojekt positioniert um neue Ansätze zu erforschen und nicht als Serviceeinrichtung, die Gründerberatung und Events anbietet. 

 

Nun ist ja einige Zeit vergangen und ich weiß aus eigener Erfahrung dass die Lehrkonzepte funktionieren. Inzwischen darf man sagen: Der Ansatz war und ist erfolgreich. Aber, konntest du dir das damals so vorstellen?

 

Carsten: Nein, natürlich nicht. Vor allem auch, weil ich nicht wusste wie sich alles entwickelt. Es ist immer stark abhängig vom Team, also damals Katharina, Roman, Lisa und auch Jan Schröder, der zu dem Zeitpunkt die Assistenzstelle meiner Professur inne hatte. 

 

Außerdem mussten wir ja nicht einfach nur umsetzen sondern uns tatsächlich neue Lehrkonzepte überlegen und diese dann praktisch austesten. Ich konnte nicht einschätzen ob die frischen Absolventen, die ja gerade ihren Master gemacht haben, und logischerweise nicht so viel Erfahrung in dem Feld mitbringen konnten, da wirklich mitziehen und wie weit sie auch bereit sind das als Forschungsprojekt aufzuziehen und nicht als Servicestelle und Event Organisation.  Denn das waren hauptsächlich die Programme der anderen Hochschulen, die auch Gelder über GuStL bekommen haben.

 

Auch das Rektorat hat glaube ich vielleicht etwas anderes erwartet, aber das war mir persönlich einfach zu wenig. Deshalb war ich auch sehr froh das alle dann mitgezogen sind.


Es hat zwar eine Weile gedauert, aber dann haben doch alle gesehen das wir kein Beratungsbüro aufbauen werden sondern den Grundstein für ein Forschungsprojekt legen.

Es ist alles deutlich nachhaltiger wenn du Lehrveranstaltungen hast die dann im Rahmen eines Studiengangs, wie beispielsweise dem Technologie-Entrepreneurship Master, Anwendung finden. Das Geld war ja begrenzt und da kannst du nicht irgendwelche Dinge machen die dann nach drei Jahren einfach wieder aufhören.

Abbildung 2: Carsten Hahn mit Studierenden des 1. und 2. TEEM Jahrgangs bei der Abschlusspräsentation der Veranstaltung “Radikale Innovation”. Mit Besuch der IHK (vertreten durch Wolfgang Grenke) und einem der kooperierenden Unternehmen Winterhalter Gastronom GmbH (vertreten durch Peter Huber und Ralph Winterhalter) (Foto: G-Lab)

Das heißt für mich, dass schon damals das G-Lab unter Allen die durch GuStL Gelder bekommen haben herausgestochen ist und versucht hat etwas neues zu machen. Das hört sich für mich ziemlich mutig an.


Carsten:
Ja es war auf jeden fall ein anderer Ansatz als die meisten Anderen gefahren sind. Aber wir waren selbstbewusst und haben unter anderem Frau Ministerin Theresia Bauer für uns gewonnen.

Sie kam nach einem halben Jahr zu uns und war sehr beeindruckt von dem was wir geschafft haben. Bei diesem offiziellen Besuch hat sie dann den Wunsch geäußert gerne einmal “inoffiziell” vorbeizukommen und einfach mal selbst mitzumachen. Das hat sie dann auch tatsächlich geschafft, hat sich die Zeit genommen und mitgemacht bei unserem Format Studies coachen Mittelstand”.

 

Im Nachhinein ist das Alles natürlich toll zu erzählen, der Ansatz hat sich bestätigt und es funktioniert. Aber natürlich funktioniert nicht immer alles und es gibt immer wieder Rückschläge. Daher eine Frage die sich mir stellt: Du bist Professor, arbeitest bei der SAP, hast eine Familie und sicher mehr als genug zu tun. Das ganze G-Lab ist ja mehr oder weniger freiwillig für dich, warum machst du das? Was treibt dich an?

Carsten: Was mich antreibt ist der Erfolg bei den Studierenden und dass man die Studierenden wirklich dazu bringen kann, selbst zu gründen oder auch das unternehmerische Denken anzunehmen. 


Studierende die sagen: ”Das sind die Veranstaltung die im gesamten Studium am meisten Spaß machen und gleichzeitig die Veranstaltungen bei denen wir am meisten mitnehmen.” 

Wir können sehen dass sich bereits erste Unternehmen aus den G-Lab Formaten heraus bilden. Das treibt mich an und ich glaub das treibt auch das ganze G-Lab an.

 

Das ist ziemlich beeindruckend. Es ist toll zu sehen dass du und das gesamte G-Lab sich dem angenommen haben und der Erfolg gibt inzwischen ja auch recht. Das G-Lab ist inzwischen ziemlich groß, deswegen habe ich noch 2 Fragen die ich ganze gerne zur Zukunft des G-Labs stellen würde. 

 

Was kommt als nächstes? Das G-Lab hat Lehrkonzepte entwickelt die funktionieren, sie sind etabliert und haben sich bewiesen. GuStL läuft aktuell ja noch, aber hat auch ein Enddatum. Wie geht es dann weiter? Wie kann man an das G-Lab anknüpfen?

Carsten: Also erstmal haben wir ja vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin nochmal Drittmittel bekommen, zwei Millionen im Zuge des sogenannten Exist Programms und damit werden wir viele G-Lab Formate weiterführen für vier Jahre.

Insbesondere den Ansatz, dass wir mit Mittelständlern zusammenarbeiten wie wir es auch schon jetzt in der Lehrveranstaltung “Radikale Innovation” machen. 

Wir wollen noch einen Schritt weitergehen, uns weiterentwickeln und über diesen Aspekt hinaus wollen wir dem Mittelstand und den Studierenden helfen dann tatsächlich aus (gemeinsam entwickelten) Ideen auch Unternehmen zu gründen.

Das wollen wir so gut machen, dass wir es skalieren können. Zukünftig wollen  wir nicht nur einzelne Unternehmen gründen, sondern zehn Unternehmen pro Jahr auf den Weg schicken, indem wir einen sogenannten Company Builder aufbauen. Das bedeutet wir entwickeln eine Struktur für neue Unternehmen  als Joint Venture zwischen Studierenden und mittelständischen Unternehmen.

 

Eine letzte Frage habe ich noch. Wie bereits angesprochen ist das G-Lab schon in der Förderung durch GuStL damals herausgestochen, es war ein anderer Weg, es war Mut dabei.

Vielleicht gibt es auch noch andere Hochschulen, Professoren oder Institute die gerne neue Wege gehen würden aber nicht wissen wie sie das angehen sollen. Gibt es etwas das du an sie richten möchtest? Etwas, das du ihnen mitgeben kannst oder möchtest?

Carsten: Ja! Gerne mal radikal denken. Gerne mal radikal anders denken und nicht nur die Gefahren und Grenzen sondern auch die Chancen sehen, das wird leider viel zu wenig gemacht. 

Man denkt viel in bestehenden Strukturen, überlegt “kann ich das überhaupt machen?” wobei wir öfter den Mut haben müssen einfach mal völlig anders zu denken. Dann muss man sich zwar oft wieder ein bisschen zurücknehmen aber man geht mehr von der radikalen Idee aus und weniger von etwas Inkrementellem. 

Im Prinzip also das, was wir auch in der Lehrveranstaltung Radikale Innovation vermitteln: Das man mal “out of the box” denkt und sich völlig neu einem Thema nähert. Das ist mein Hinweis, oder meine Empfehlung an andere Hochschulen die Ähnliches machen wollen.

 

Ich bin gespannt, vielleicht erreichen wir ja damit ein paar Leute die das Thema auch interessiert und sich nun den Schritt ins Ungewisse trauen. Vielen Dank an dich Carsten! Ich bin gespannt was noch so alles kommt im G-Lab.

 

Bericht und Interview: Moritz Theis