Hybrides Lernen ist die magische Zutat der im G-Lab entwickelten Lehrkonzepte. Anders als in der traditionellen Wissensvermittlung zielt es nicht nur auf die Vermittlung von Wissen ab, sondern auch auf die Befähigung zum Können.

Zu den Kernkompetenzen im Bereich Entrepreneurship zählen laut dem Entrepreneurship Competence Framework der EU Kommission

  • das Erkennen von Potenzialen,
  • die Bewertung von Ideen,
  • die Wahrnehmung der eigenen Person,
  • ein starkes Durchhaltevermögen sowie
  • der Umgang mit Unsicherheit und Risiken. (EntreComp, 2016)

Teil unseres Auftrags als G-Lab der Hochschule Karlsruhe ist die Entwicklung von Lehr- und Lernkonzepten, mit denen aus Studierenden Entrepreneure werden. Als wir 2017 damit begonnen haben die ersten Kurse zu konzipieren wurde schnell klar, dass die klassische Vorlesung im Sinne des Frontalunterrichts dafür nicht geeignet ist.

Wie unterrichtet man Entrepreneurship?

Der Erwerb der genannten Kernkompetenten setzt das Erleben und die Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen voraus. Da dies nicht durch das Zuhören und Folien studieren erreicht werden kann, brauchten wir eine neue Art von Lehrveranstaltung. Basierend auf diesen Anforderungen haben wir das Lehr- und Lernkonzept „Hybrides Lernen“ entwickelt. Es kombiniert die drei mit einander in Bezug stehende und aufeinander aufbauenden Lernelemente Theorie, Praxis und Reflexion. Abbildung 1 veranschaulicht, wie diese den Weg vom Wissen zum Können ebnen.

Abbildung 1: Der Lernprozess des Hybriden Lernens (Schmidt et.al. 2019).

Theorie

Auch im Bereich Entrepreneurship gibt es wissenschaftliche Grundlagen und Best Practices, die jeder kennen sollte. Diese Theorie wird jedoch nicht durch „Vorlesen“ im Hörsaal vermittelt, sondern von den Lernenden durch externe Ressourcen wie Videos oder Massive Open Online Courses (MOOCs) erworben. Die Qualität der Vermittlung dieses theoretischen Wissens wird gesichert, indem der Dozierende Videos der auf ihrem Gebiet führenden Wissensträger auswählt. Zu den Videos, die im Rahmen des aktuellen StartUp Semesters genutzt werden, zählen einer der 25 meistgesehenen TED Talks aller Zeiten und ein Vortrag von Harvard Professor Clayton Christensen, der am Beispiel von Milchshakekonsumenten die Offenlegung verdeckter Kundenbedürfnisse beschreibt. Ein großer Vorteil der Auswahl der Videos ist, dass die Zahl der Aufrufe ein guter Indikator dafür ist, dass das Wissen verständlich vermittelt wird. Außerdem können die Inhalte mit wenigen Klicks ergänzt oder durch aktuellere Inhalte ersetzt werden.

Die Impulse und Methoden der Theorie werden über Videos oder MOOCs vermitteln. Foto: Brook Cagle.

Praxis

Das erworbene Wissen wird verinnerlicht, indem es zur Lösung konkreter unternehmerischer Problemstellungen genutzt wird. Das Lernen durch Handeln ist besonders effizient und ermöglicht bis zu 90 Prozent des Erlernten zu behalten. Zum Vergleich: Beim Lernen durch Hören und Sehen, wie im klassischen Frontalunterricht, ist es nur etwa die Hälfte. (Franken 2010. 66 f.).

Entsprechend der Prinzipien der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelten Action Learning Methode geschieht die Anwendung stets in gemischten Teams anhand einer realen Problemstellung aus der Praxis. Wie es auch in der unternehmerischen Praxis der Fall ist, gibt es für die Problemstellungen keine Musterlösungen. Da die Methoden in der Regel nicht 1:1 übertragen werden können, ist hierbei Kreativität gefragt.

In Team-Workshops wird die Theorie zur Lösung einer realen Problemstellung angewandt. Foto: Katharina Schmidt

Reflektion

Sowohl die theoretischen Inhalte als auch die Anwendung werden bei regelmäßigen Präsenzveranstaltungen im Team reflektiert. Dabei wird die über die Videos vermittelte Theorie von der Lehrkraft durch ihr praktisches Erfahrungswissen ergänzt. Hybrides Lernen ermöglicht eine persönlichere Betreuung der Studierenden, da die Dozierenden effektiveren und effizienteren eingesetzt werden. In klassischen Frontalvorlesungen nimmt die repetitive, semesterweise Wiedergabe von Inhalten den größten Teil ihrer Zeit in Anspruch. Da die Theorie durch Videos außerhalb der Präsenzveranstaltungen vermittelt wird, bleibt während der Veranstaltungen mehr Zeit für die Befähigung der Studierenden, die Inhalte zu verstehen und anwenden zu können.

Der Dozent hilft den Lernenden mit seiner Erfahrung Theorie und Praxis in Bezug zu setzen. Foto: Katharina Schmidt.

Fazit

Durch Hybrides Lernen erhalten die Lernenden Impulse und Methoden des angewandten Unternehmertums durch weltweit führende Wissenschaftler und Entrepreneure. Indem sie diese in geführten Workshops zur Entwicklung eines realen Gründungsvorhabens anwenden, sammeln sie eigenes Erfahrungswissen und entwickeln ihre unternehmerischen Kompetenzen. Die Reflexion mit erfahrenen Dozierenden und Coaches ebnet dabei den Weg vom Wissen zum Können.

 

Mehr zum Lehr- und Lernkonzept ist in Forschung Aktuell 2019 ab Seite 46 zu finden. Wer es selbst erleben möchte, kann unsere Kurse Get Digital, Entrepreneurship, Radikale Innovation, Corporate Entrepreneurship und StartUp Semester besuchen.

 

Bericht: Katharina Schmidt

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