Lukas Harbig und Daniel Kraus sind ehemalige Studenten der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft, denen das Thema Kaffee sehr am Herzen liegt. Zunächst gründeten sie einen ehrenamtlichen Verein, um die Kaffeebauern in den südamerikanischen Anden zu unterstützen. Nun auch eine eigene Firma, die den Spezialitätenkaffee nach Deutschland importiert und hier vertreibt.

Die Gründer Lukas Harbig (2.v.l.) und Daniel Kraus (1.v.r.) vor Ort bei einem peruanischen Kaffeebauer (2.v.r.). Foto: Cumpa

Daniel Kraus absolvierte seinen B.Eng. in Fahrzeugtechnologie im Jahr 2015 und Lukas Harbig seinen B.Sc. in International Management in 2019. Die beiden sind auch Gründungsmitglieder des 2017 in Karlsruhe gegründeten Vereins Qoffee Qulture e.V., der sich zum Ziel setzt benachteiligten Kaffeebäuer*innen zu helfen. Mit der Unterstützung des G-Labs konnten sich die Vereinsmitglieder in den Räumen der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft schon mehrfach treffen. Durch Spendengelder und Zeiteinsatz realisierte die Gruppe Projekte wie ein Röstlabor für eine eigenständige Qualitätskontrolle durch die Kaffeebäuer*innen. In einem anderen Dorf entstanden Trockenbetten, auf denen Farmer den geernteten Kaffees besser trocknen können, was ihn leckerer und teurer macht. Die ehrenamtliche Arbeit fördert gemeinnützige Zwecke und hilft jenen Menschen, die Kaffeesamen für den großen globalen Durst nach dem „braunen Gold“ produzieren.

Während wir täglich den leckeren Muntermacher schlürfen, und uns das Frühstück mit Avocado und Nutellabrot schmecken lassen, ist uns oft nicht bewusst, welche sozialen und ökologischen Kosten sich hinter dem Preisschild noch verbergen. Ist nachhaltiger Kaffee überhaupt möglich? Wenn ja, wie sieht das aus? Diese Fragen stellte sich Lukas schon während seines Bachelorstudiums und forschte dazu in Deutschland und Peru.

Aus seinem Praxissemester in Peru heraus, organisierte er 2018 einen Probeimport nach Karlsruhe, in die Spezialitätenkaffeerösterei Good Karma Coffee. Ein Teil der Bohnen (die eigentlich Samen sind) fand ihren Weg nach Stuttgart zu Mókuska Caffè. Da die Kaffees bei den Röster*innen und Kaffeetrinker*innen großen Anklang fanden, trafen Lukas und Daniel die Entscheidung ihre Ideen in größerem Maßstab umzusetzen: Die beiden gründeten im August 2018 die cumpa GmbH. Das Wort „cumpa“ ist peruanischer Dschungel-Slang und leitet sich von compadre und companero ab, was so viel wie Kumpel, Mitstreiter, Gesell oder Freund bedeutet. Die Mission: Durch Kulinarik und Wissenschaft Menschen in Freundschaft verbinden.

Ein großes Thema ist auch hier die gute, alte Nachhaltigkeit: Wie sieht es damit aus bei cumpa? Eher Demeter, Fairtrade, oder UTZ? Rainforest Alliance? Öko? Bio? Huch, das war dasselbe. Oder nicht? Blauer Engel? Überraschung: Zertifikate, Zahlen und Exceltabellen sind gar nicht so gut für unseren nachhaltigen Konsum geeignet wie gedacht, so die Evidenz. Schade eigentlich, wollten wir doch gerade noch mit dem 7€/kg UTZ Kaffee unsere gute Tat des Tages begehen. Es ist schon schwierig, wie immer mit unserem Konsum. „Wir können ja auch nix dafür, sind da halt irgendwie reingeboren.“ ist die Standardargumentation. „Mit Zertifikat ist ja immerhin schon besser als ohne.“

Stehen Lukas und Daniel dann aber auf der Kaffeefinca und hören den Farmer*innen im Dschungel zu, lachen diese nur trocken und frustriert über gerechten Handel und biologischen Anbau. Sie fragen sich: Wenn die Kaffeetrinker*innen in Deutschland nachhaltig leben möchten – warum müssen dann wir auf der anderen Seite der Welt diese Nachhaltigkeit realisieren?

Daniel Kraus (links) und Lukas Harbig (rechts) beim Begutachten einer Kaffeepflanze in Peru. Foto: Cumpa

Als Freund oder auch cumpa teilt man Zeit mit den Betroffenen und hört sich aufmerksam deren Probleme an. Um auf Augenhöhe Lösungen zu finden. Freundschaften mit den Farmer*innen führen zu mehr Verständnis für deren Situation als jeder Bericht und jedes Siegel. Mit der Freundschaft zu Röster*innen auf der anderen Seite kann der Coup gelingen: Schnelle und aufrichtige Informationsübertragung darüber, welche Qualität zu welchem Preis getrunken werden kann, und durch welche Prozesse sie erreicht wird.

Dieses Jahr importiert cumpa im zweiten Importjahr 17 Tonnen Rohkaffee. Letztes Jahr waren es knapp zehn Tonnen. Die Bio-Zertifizierung als Händler hat cumpa 1.500€ gekostet. Die Genossenschaft blecht jedes Jahr für Fairtrade, Rainforest und Organic, hoffend, dass keiner der verarmten Genoss*innen preiswerte Chemikalien auf seiner Kaffeefinca versprüht. Ein weiteres wichtiges Anliegen der cumpa-Gründer ist die Umweltbelastung, die durch den Transport des Kaffees per Schiff nach Deutschland und die Flugreisen entsteht. Daniel und Lukas werden aktiv und pflanzen gemeinsam mit Röster*innen und Bäuer*innen Bäume – in Peru und in Deutschland. So wird Kohlenstoff gebunden und Biodiversität geschaffen.

Cumpa zahlt der Kaffeekooperative für die edlen Rohkaffees Preise weit über dem Fairtrade- und noch weiter über dem Börsen-Wert. Ein Teil davon geht an eine Gruppe von Frauen, welche die Kaffees von Hand selektieren. Durch die Handselektion ist in diesem Jahr bereits der 10.000te Dollar in eine bedürftige Community geflossen – anstatt in einen automatisierten Fabrikbetrieb, wie üblich.

Außerdem war dieses Jahr schon zum zweiten Mal der Geschäftsführer der Kooperative, ein junger Kaffeefarmer, zu Besuch in Deutschland. Cumpa hat ihn eingeladen. Ein Kunde von cumpa, der Röster Friedhelm von der Röstkammer in Altdorf, war im August 2019 eine Woche in Peru und hat mit Lukas genau den Farmer besucht, der seinen Kaffee kultiviert, erntet, fermentiert, trocknet und zur Kooperative transportiert.

Durch den direkten Handel der Kaffeespezialitäten auf Augenhöhe, und die Erbringung umfangreicher Sozial- und Umweltleistungen auf beiden Seiten des Ozeans will cumpa Menschen zum gemeinsamen Entwickeln nachhaltiger Verhaltensweisen bewegen. Denn Menschen und Natur bereiten cumpas Freude.

 

Bericht: Lukas Harbig

Leave a comment